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| Dienstag 28.04.2026 | 04:45 - 05:30
Deutschland 2026
Überfüllung, katastrophale Zustände und steigende Suizid-Zahlen - Alltag in Italiens Haftanstalten. Besonders Jugendliche leiden unter der Politik der harten Strafen. Die Regierung verschärft Gesetze, während Gefängnisse platzen und Hoffnungen schwinden.
Regelmäßig kommt es in den großen Haftanstalten in Rom, Mailand und Neapel zu Aufständen. Denn Italiens Gefängnisse sind massiv überfüllt, die Zustände katastrophal. Im Schnitt alle drei Tage nimmt sich ein Häftling das Leben. Auch unter den Vollzugsbediensteten kommt es zunehmend zu Suiziden.
In diesem Jahr sind erstmals nicht nur die Gefängnisse für Erwachsene überfüllt, sondern auch die Jugendhaftanstalten.
Seit Amtsantritt der rechten Regierung Giorgia Melonis hat sich die Situation vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene drastisch verschärft. Die Regierung verfolgt eine harte Law-and-Order-Politik, hat neue Straftatbestände eingeführt und das Strafmaß für bestehende Delikte erhöht. So gibt es mittlerweile etwa den Tatbestand der "illegalen Rave-Party": Organisator:innen drohen nun bis zu sechs Jahre Haft. Minderjährigen, die mit Drogen handeln, drohen bis zu fünf Jahren Jugendhaft - bereits für geringe Mengen, die in anderen europäischen Ländern als Bagatellen durchgehen.
Expert:innen kritisieren, die Gefängnisse dienten weniger dem Strafvollzug, als vielmehr der Verwahrung und dem Verbergen anders nicht lösbarer sozialer Probleme. Bis zu 70 Prozent der Gefangenen sind Ausländer, gut die Hälfte drogenabhängig, ein Drittel psychisch krank.
Korrespondentin Verena Schälter trifft jugendliche Straftäter, versucht, einen Einblick in die Welt hinter den Gefängnismauern zu gewinnen, und spricht mit Menschen, deren Angehörige sich im Gefängnis das Leben genommen haben oder dort aufgrund mangelhafter medizinischer Versorgung gestorben sind. Außerdem trifft sie Menschen, die versuchen, die Zustände zu verändern und zu verbessern - etwa einen Gefängnispfarrer in Mailand.